Produktionsteam
Im gemeinsamen Interview erzählen sie, wie aus ersten Ideen, aus der ersten Choreografie eine fertige Show entsteht, worin sich die Arbeit mit Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufern von jener mit Bühnentänzerinnen und Bühnentänzern unterscheidet und welche Momente ihnen bei Art on Ice 2026 besonders in Erinnerung geblieben sind.
Caroline: Ich bin Creative Director und Lead Choreographer bei Art on Ice und seit 2018 Teil des Teams. Als Mitglied des Creative Teams entwickle ich das Gesamtkonzept und die choreografische Sprache der Show mit. Dazu gehört auch, die einzelnen Nummern gemeinsam mit Sofia und dem restlichen Team zum Leben zu erwecken.
Sofia: Ich bin Sofia Lucrezia Sforza und komme ursprünglich aus Bergamo in Italien. Mein Hintergrund liegt im Eistanz. 2016 kam ich als Eiskunstläuferin zu Art on Ice und feiere inzwischen mein zehnjähriges Jubiläum im Team. Heute bin ich Skating Director und Choreografin und trage Mitverantwortung für das Casting. Ich stehe nicht mehr selbst auf dem Eis, sondern arbeite hinter den Kulissen an der Entwicklung des Showkonzepts, der Gestaltung der Eiskunstlaufnummern und der Zusammenstellung des Casts.
Caroline: Bevor wir mit der eigentlichen Choreografie beginnen, finden zahlreiche Gespräche und kreative Meetings statt.
Sofia: Am Anfang der Kreativmeetings steht die Frage, was die Show in diesem Jahr erzählen soll. Welches Thema steht im Zentrum? Welche emotionale Reise möchten wir kreieren? Und was soll das Publikum nach der Show mit nach Hause nehmen?
Caroline: Durch diese Fragen entwickeln wir das Konzept und die übergeordnete Geschichte der Show. Manchmal entstehen bereits in dieser ersten Phase erste choreografische Referenzen.
Sofia: Während einer intensiven Kreativwoche in Zürich entwickeln wir als Team Schritt für Schritt den Aufbau der Show. Wir bestimmen, wo die grossen Gruppennummern stattfinden, welche Solonummern Raum erhalten, wer zu welchem Song auftritt und wie die Übergänge gestaltet werden.
Caroline: Anschliessend entwickle ich aus unseren gemeinsamen Ideen konkrete Konzepte für die einzelnen Nummern und bespreche diese mit dem Team. Manche Choreografien entstehen zunächst mit den Künstlerinnen, Künstlern und Bühnentänzer:innen und werden danach für das Eis adaptiert. Andere Nummern konzipieren wir von Anfang an speziell für die Eiskunstläufer:innen. Es kommt auch vor, dass ich mit einer Idee zu Sofia gehe und sie diese auf dem Eis umsetzt. Wir arbeiten dafür in Toronto und Zürich, teilweise aber auch über Distanz.
Choreografie: Kreativmeeting
Sofia: Das choreografische Material entsteht meistens zunächst abseits des Eises und in enger Zusammenarbeit mit Caroline. Wir arbeiten im Studio, halten Ideen auf Papier fest oder bewegen uns durch einen Raum, um neue Ansätze auszuprobieren. Inspiration finde ich überall: in der Natur, in Filmen, im Theater, im Tanz oder in Museen. In der Produktionswoche im Hallenstadion, also kurz vor Tourstart, kommen schliesslich Eiskunstlauf, Tanz, Akrobatik, Licht, Kostüme und Live-Musik erstmals vollständig zusammen. Bis dahin wurden die verschiedenen Bestandteile einzeln geprobt. Diese Woche ist intensiv und herausfordernd, gleichzeitig ist es ein einzigartiges Gefühl, wenn aus einer Idee plötzlich eine reale Show wird.
Sofia: Genau. Erst danach übertragen wir das Material aufs Eis. Dabei wird vieles nochmals neu gedacht. Eine Bewegung, die auf dem Boden funktioniert, lässt sich nicht automatisch auf Schlittschuhen umsetzen. Auf dem Eis spielen Geschwindigkeit, Formationen, Schritte und Laufkanten eine entscheidende Rolle. In der Produktionswoche im Hallenstadion, also kurz vor Tourstart, kommen schliesslich Eiskunstlauf, Tanz, Akrobatik, Licht, Kostüme und Live-Musik erstmals vollständig zusammen. Bis dahin wurden die verschiedenen Bestandteile einzeln geprobt. Diese Woche ist intensiv und herausfordernd, gleichzeitig ist es ein einzigartiges Gefühl, wenn aus einer Idee plötzlich eine reale Show wird.
Sofia: Der kreative Prozess startet deutlich früher als die Kreativmeetings im Herbst. Nach der letzten Show einer Tour gönnen wir uns einige Wochen Pause. Danach beginnen bereits die ersten Überlegungen zur nächsten Ausgabe, wir sammeln Ideen und beschäftigen uns mit dem Casting.
Caroline: Die konkrete Arbeit im Studio beginnt für mich jeweils im November, ungefähr drei Monate vor der Premiere.
Sofia: Eigentlich sind wir nie ganz fertig. Die konkrete choreografische Arbeit folgt später, aber der kreative Denkprozess beginnt beinahe ein Jahr im Voraus.
Caroline: Unser Probenplan ist sehr eng. Deshalb kommen die Mitwirkenden entweder direkt zu den Proben oder erhalten im Vorfeld Videos mit detaillierten Anleitungen, damit sie sich selbstständig vorbereiten können.
Sofia: Die Bühnentänzer:innen beginnen ihre Proben in Kanada, da Caroline und ein grosser Teil unseres Tanzensembles in Toronto zu Hause sind. Ich reise während der Vorbereitungszeit ebenfalls nach Toronto, um gemeinsam mit ihnen am Material zu arbeiten.
Bei Eistänzer:innen ist die Organisation komplexer. Eiszeiten sind begrenzt und teuer. Zudem kommen die Mitglieder des Casts aus verschiedenen Ländern und verfolgen jeweils eigene Trainingspläne. Ein grosser Teil der Vorbereitung findet deshalb aus der Ferne statt. Sie erhalten das Material und studieren die Choreografie zu Hause ein. Die wichtigste Probephase für die Eiskunstlaufchoreos findet bereits ab Januar in Zürich statt. Neben den Proben auf dem Eis arbeiten die Eistänzer:innen auch im Studio. Später reist das Tanzensemble aus Toronto an und wir führen alle Elemente zusammen.
Bei den Star-Eiskunstläufer:innen gehen wir nochmals anders vor. Sie erhalten im Voraus Briefings und choreografische Vorgaben. Sobald sie in Zürich eintreffen, arbeiten wir persönlich mit ihnen weiter. Einzelne Soloauftritte entwickeln wir auch über Distanz oder direkt an ihren jeweiligen Trainingsorten.
Sofia: Eiskunstlauf und Tanz sind zwei unterschiedliche Welten, die sich wunderbar ergänzen. Tänzerinnen und Tänzer haben ein aussergewöhnliches Gespür für Details. Die Haltung der Hände, eine Bewegung des Kopfes oder eine minimale Gewichtsverlagerung können zum Ausdrucksmittel werden. Sie können selbst einen kleinen Raum vollständig ausfüllen.
Caroline: Sie sind es gewohnt, Choreografien als Teil einer Gruppe zu lernen. Dieser Probenprozess ist ihnen sehr vertraut. Eiskunstläufer:innen eignen sich diese Erfahrung teilweise erst im Laufe ihrer Showkarriere an. Besonders Athletinnen und Athleten aus dem Wettkampfsport oder aus Spezialdisziplinen kennen diese Arbeitsweise nicht immer.
Sofia: Da kann ich nur zustimmen. Für viele Eiskunstläuferinnen und -läufer ist es zunächst ungewohnt, sich als Teil einer grossen Gruppe zu bewegen. Tänzer:innen wachsen häufig in Ensembles auf und lernen früh, synchron zu arbeiten und aufeinander zu reagieren.
Die meisten Eiskunstlaufenden trainieren hingegen allein oder als Paar. Plötzlich wie ein gemeinsamer Körper mit 15 Personen zu agieren, ist für sie eine neue Erfahrung. Dafür bringen sie Geschwindigkeit und grosse Linien mit. Sie nutzen die gesamte Eisfläche und können sich auf eine Weise durch den Raum bewegen, die es in keiner anderen Disziplin gibt. Eine schöne Laufkante auf dem Eis besitzt ihre ganz eigene Magie.
Caroline: Bei Art on Ice lernen sie nicht nur Choreografien auf dem Eis, sondern auch tänzerische Bewegungen. Gleichzeitig bilden sie das Ensemble rund um die Star-Eiskunstlaufenden, Akrobatinnen, Akrobaten und Musikacts.
Sofia: Caroline und ich arbeiten darum stark daran, beide Disziplinen zu einer gemeinsamen Sprache zu verbinden. Das Publikum unterscheidet am Ende nicht zwischen Tanz und Eiskunstlauf, sondern erlebt eine zusammenhängende Show.
Caroline: Wir haben eine grossartige Gruppe, die sich mit viel Offenheit in den kreativen Prozess einbringt und enorm hart arbeitet.
Choreografie: Proben mit den Bühnentänzer in Toronto
Caroline: Offenheit ist für uns besonders wichtig. Bei Art on Ice verschieben wir gerne Grenzen und probieren Dinge aus, die unerwartet oder zunächst ungewöhnlich erscheinen. Wer experimentierfreudig ist und bereit ist, die eigenen Grenzen zu testen, hat bei uns die besten Voraussetzungen.
Sofia: Für mich gehört auch Grosszügigkeit dazu. In einem Wettkampf läuft man für eine Jury. Bei Art on Ice tritt man vor Tausenden von Menschen auf. Das Publikum spürt sofort, ob jemand wirklich etwas von sich gibt oder lediglich die vorgegebenen Schritte ausführt. Ebenso wichtig ist Anpassungsfähigkeit. Eine Live-Show verläuft nie genau wie eine Probe. Die Band spielt vielleicht eine Passage etwas anders, das Licht verändert sich oder etwas Unvorhergesehenes passiert. Gute Performer reagieren darauf und lassen es so aussehen, als wäre alles genau so geplant gewesen.
Dazu kommen Disziplin und Teamgeist. Der Spielplan ist intensiv und die Qualität muss bei der letzten Vorstellung genauso hoch sein wie bei der Premiere. Art on Ice besteht zudem nicht aus einzelnen Darbietungen, sondern ist eine zusammenhängende Show. Jede und jeder muss bereit sein, Teil von etwas Grösserem zu werden.
Sofia: Wir vereinen Welten, die normalerweise nicht in dieser Form aufeinandertreffen: Eiskunstlauf, Tanz, Akrobatik, Live-Musik, Lichtdesign und Produktion. Jeder Bereich besitzt eine eigene Sprache, ein eigenes Timing und unterschiedliche Bedürfnisse. Alle Beteiligten sind hervorragend in ihrer Disziplin. Die Herausforderung besteht darin, aus diesen Elementen einen gemeinsamen Gedanken entstehen zu lassen und nicht nur eine Abfolge einzelner Höhepunkte.
Caroline: Eine weitere Herausforderung ist die knappe Zeit. Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt kommen für die Show zusammen. Deshalb müssen wir sehr effizient arbeiten und gleichzeitig kreativ bleiben.
Sofia: Genau, denn Monate im Voraus proben wir die Show in einzelnen Teilen, jede Gruppe für sich separat. Erst wenige Tage vor der Premiere befinden sich alle Beteiligten im gleichen Gebäude, auf der richtigen Eisfläche und vor dem fertigen Bühnenbild. In dieser kurzen Zeit muss alles zu einem grossen Ganzen zusammenwachsen. Dabei können wir uns auf ein aussergewöhnlich engagiertes und professionelles Team verlassen.
Choreografie: Proben auf dem Eis
Caroline: Eine Premiere ist unglaublich erfüllend. Natürlich gehört eine gewisse Nervosität dazu. Gleichzeitig wissen wir, dass wir Jahr für Jahr eine aussergewöhnliche Show auf die Bühne und das Eis bringen, auf die das gesamte Team stolz sein kann.
Für mich ist es ein besonderer Moment, mich zurückzulehnen und jene Ideen zu betrachten, die den gesamten Entwicklungsprozess überstanden haben. Dann erlebe ich, wie das Publikum sie aufnimmt und darauf reagiert.
Sofia: Bis zur letzten Sekunde bin ich nervös. Ich bin eine Perfektionistin und achte auf jedes Detail. Während der Premiere mache ich mir weiterhin Notizen und halte fest, was wir noch anpassen oder verbessern könnten. Gleichzeitig erlaube ich mir, die Show auf mich wirken zu lassen und mich von ihr überraschen zu lassen. Und dann ist da das Publikum. Während Monaten stellt man sich vor, wie die Menschen reagieren könnten. Plötzlich ist diese Reaktion wirklich da, häufig lauter und herzlicher, als man es sich ausgemalt hat. In diesem Moment wird ein ganzes Jahr Arbeit zu einem einzigen Klang. Ich erlebe das seit zehn Jahren und es berührt mich noch immer jedes Mal. Live-Shows sind durch nichts zu ersetzen.
Sofia: Art on Ice 2026 war aus mehreren Gründen etwas Besonderes. Wir feierten das 30-jährige Jubiläum der Show und gleichzeitig mein persönliches zehnjähriges Jubiläum bei Art on Ice. Zudem war mein neugeborener Neffe dabei, was diese Ausgabe für mich noch persönlicher machte.
Die Eröffnungsnummer hat mich jedes Mal sehr berührt. Ihre Geschichte und der Moment, in dem der gesamte Cast gemeinsam auf der Bühne und dem Eis steht, besitzen eine besondere Magie.
Sehr emotional ist für mich auch immer die letzte Show in Davos. Für alle Beteiligten liegt ein ganz besonderes Gefühl in der Luft. Es ist ein bittersüsser Moment und ich muss jedes Mal weinen. Gleichzeitig bin ich unglaublich stolz und dankbar.
Caroline: Mein Höhepunkt war ebenfalls die Geschichte über die Entstehung von Art on Ice. Sie wurde auf sehr theatralische und mitreissende Weise erzählt. Ich war stolz darauf, wie es uns gelungen ist, eine starke 30-jährige Geschichte mit dem grossen Spektakel der Show zu verbinden. Zu hören, wie das Publikum darauf reagiert haben und wie tief die Geschichte viele Menschen berührte, bedeutete mir sehr viel.
Sofia: Von den Rängen aus wirkt Art on Ice leicht und selbstverständlich. Genau das ist unser Ziel. Doch diese scheinbare Leichtigkeit gehört zu den schwierigsten Dingen, die man erschaffen kann.
Alle Eiskunstlaufenden, Tanzenden, Akrobatinnen, Akrobaten sowie Musikerinnen und Musiker arbeiten enorm hart. Hinter ihnen steht ein Team, das während des gesamten Jahres im Einsatz ist: die Produktion, die technische Crew, das Licht- und Musikteam, die Kostümabteilung und viele weitere Menschen. Ohne sie würde nichts von dem existieren, was das Publikum auf dem Eis erlebt. Deshalb möchte ich allen Künstlerinnen, Künstlern, Mitarbeitenden und der gesamten Produktion Danke sagen. Jede und jeder steckt sehr viel Arbeit und Herzblut in diese Show. Besonders dankbar bin ich auch für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, und für die Möglichkeit, mich innerhalb der Art on Ice Familie weiterzuentwickeln.
Caroline: Dem kann ich nur zustimmen. Und wir freuen uns schon sehr darauf, Art on Ice 2027 zu entwickeln. Wir hoffen, dass das Publikum auch in diesem Jahr wieder dabei sein wird, um die neue Show mit uns zu erleben.
Art on Ice kehrt auch nächstes Jahr zurück nach Zürich, Fribourg und Davos. Vom 4. bis 13. Februar 2027 sorgen wir erneut für eines der spektakulärsten Live-Erlebnisse der Schweiz und sogen für Gänsehaut. Freue dich auf eine Show voller Emotionen, atemberaubender Momente und einzigartiger Live-Magie.
Margrith Scherrer ist Marketing Managerin und sorgt dafür, dass die Welt weiss, wann es wieder Zeit ist für Art on Ice! Im Sommer liebt sie Outdoor-Sport und im Winter hat sie dank Art on Ice die perfekte Ausrede, um nicht auf die Skipiste gehen zu müssen.